Das passiert also, wenn Privatsender sich die Übertragungsrechte von großen Sportereignissen sichern. Bisher war ich immer der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sich nur um Übertragungsrechte bemühen dürften, wenn kein anderer Sender das Ereignis übertragen will (siehe unter anderem: ZDF erwirbt Champions Leaque Rechte ab 2012). Wenn das dann aber dazu führt, dass das größte Sportereignis der Welt zu einer reinen Werbeveranstaltung verkommt, überlege ich, ob die Rundfunkgebühren dann doch nächstes Jahr wieder ganz gut investiert sind, um einen größtenteils werbefreien Super Bowl zu finanzieren.
Vier Stunden Super Bowl bei Sat1 und man hat gefühlt vielleicht eine halbe Stunde vom Spiel gesehen. Jede freie Sekunde wurde genutzt, um die Zuschauer mit denselben nervigen Werbespots zu penetrieren. Wer vier Stunden lang Werbung sehen wollte, wurde nicht enttäuscht. Immerzu die gleichen drei Werbespots ließen das Gefühl aufkommen, man sollte hypnotisiert werden. Trauriger Höhepunkt: Sat1 schaffte es sogar, während des ersten Touchdowns der Patriots Werbung einzublenden. Vielleicht entschuldbar, wenn er aus dem Nichts heraus entstanden wäre, aber in der Phase, konnten selbst Laien abschätzen, dass es gleich sechs Punkte geben würde. Im nächsten Jahr wird entweder ARD oder ZDF wieder übertragen oder man sollte die Option in Betracht ziehen, sich im Internet einen Stream zu suchen (legal oder illegal, je nachdem wieweit die Pay-TV-Sender dann sind ;)).

„Ich weiß noch, was du letzen Sommer getan hast! Und ich habe es sogar auf Video!!" So oder so ähnlich müssen Ridley Scott und Kevin Macdonald auf die Idee gekommen sein, einen Tag im Leben aller zu dokumentieren. So zumindest der Anspruch. Gereicht hat es dann immerhin zu der wohl größten Mitmachaktion der Filmgeschichte. 80.000 Menschen aus 192 Ländern kamen dem Aufruf nach, via YouTube einen Ausschnitt ihres Leben am 24. Juli 2010 hochzuladen. Herauskamen 4.500 Stunden Videomaterial, das MacDonald zu 95 Minuten Dokumentarfilm zusammenfügte.
"Live in a day" zeigt Schicksale und alltägliche Situationen; mal witzig, mal erschütternd oder auch einfach belanglos. Während für viele der Tag wie jeder andere endet, bleibt er anderen für immer in Erinnerung. Ab der 78. Minute wissen wir Deutschen auch warum. Unter den Impressionen befinden sich auch Bilder der Loveparade-Katastrophe in Duisburg. In Folge einer Massenpanik starben hier 21 Menschen, Hunderte wurden verletzt.
Bei der Verbreitung des Films bedient sich YouTube traditioneller Wege. Wie zu Fernsehzeiten werden Interessierte zu festen Zeiten vor ihren internetfähigen Geräten versammelt. Obwohl die User einen wichtigen Beitrag (wenn nicht sogar den wichtigsten) zum Film geliefert haben, ist „Life in a Day“ aber nicht dauerhaft auf YouTube zu sehen. Hat man die Übertragung verpasst, werden weitere Ausstrahlungen erst später im YouTube Channel bekannt gegeben. YouTube bedient sich hier der künstlichen Verknappung, um noch Platz für andere Vertriebskanäle zu lassen. Waren es die YouTube-User bisher gewohnt, sämtliche Inhalte jederzeit kostenlos abrufen zu können, werden sie nun zur Kasse gebetten. Was herauskommt, wenn man die Macht der Massen für seine Ideen nutzt, kann in Deutschland daher seit dem 9. Juni 2011 im Kino und ab September 2011 auf Blu-ray und DVD
bewundert werden.
Zu Kevin MacDonald und Ridley Scott: Kevin Macdonald hat für sein Werk „Ein Tag im September“ bereits 1999 den Oscar gewonnen und war danach für die Spielfilme „The Last King of Scotland
“ und „State of Play
“ verantwortlich. Ridley Scott führte unter anderem bei Gladiator
Regie, produzierte die „Robin Hood
“-Verfilmung mit Russell Crowe und die Spielfilm-Neuauflage der 80iger-Jahre Hitserie „A-Team
“.
... und löst damit eine Debatte über den Grundversorgungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender aus.
Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ZDF zeigt ab 2012 18 Champions Leaque Spiele und sticht damit den privaten Sender Sat1 aus. Nach Angaben des Fachmagazins „Sponsors“ zahlt das ZDF dafür rund 54 Millionen Euro pro Jahr (und somit 14 Millionen mehr als Sat1 geboten hatte).
Die Frage, die sich viele GEZ-Zahler stellen, ist ob hier sinnlos Rundfunkgebühren verschwendet werden. Ändert sich für den Zuschauer doch eher wenig. Er muss lediglich einen anderen Sender anwählen und bekommt anstatt Werbung, Sponsoring eingeblendet.
"Es ist faszinierend, wie das ZDF in Zeiten, in denen die Gesellschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Gebühren fordert, das Geld mit vollen Händen rauswirft, um etwas anzubieten, was der Zuschauer längst hatte" so Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik der Mediengruppe RTL. Die Übertragung der Champions Leaque Spiele im Free-TV hätte Sat1 abgedeckt, somit bestand für das ZDF keine Notwendigkeit den Preis unnötig in die Höhe zu treiben. Letztlich werden mit den Einnahmen der TV-Übertragung lediglich die eh schon hohen Spielergehälter refinanziert.
Um dabei das ab 2013 geltende Sponsoring-Verbot nach 20.00 Uhr zu umgehen, will das ZDF mit der Berichterstattung bereits ab 19.20 Uhr beginnen. Bezweifelt werden darf hier, ob derlei Umgehungen noch im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrages sind.
„Das ZDF beruft sich in solchen Fällen gern auf die Grundversorgung, aber die muss es bei der Übertragung der Champions League gar nicht gewährleisten. Die Grundversorgung ist schon dann erfüllt, wenn die Champions League irgendwo im Free-TV – wie zum Beispiel bisher bei Sat.1 – gezeigt wird“, sagte Medienexperte Jo Groebel.
Übertriebene gelbe und rote Karten, Abseitstore und Tore, die nicht gegeben werden. Bei der WM 2010 gibt es kaum noch einen Schiedsrichter, der nicht durch Fehlentscheidungen aufgefallen ist. Jorge Larrionda und sein Assistent Mauricio Espinosa waren vermutlich die einzigen beim Achtelfinale Deutschland gegen England, die den Schuss von Frank Lampard nicht hinter der Torlinie gesehen haben. Beim Spiel Argentinien gegen Mexiko stand Carlos Tevez meterweit im Abseits. Das Gespann um Schiedsrichter Rosetti gab den Treffer dennoch.
Selten wurden bei einem so wichtigen Turnier so viele Spiele von den Schiedsrichtern beeinflusst. Wenn solche Fehlentscheidung zu Phasen fallen, in der eine Mannschaft bereits deutlich vorne liegt, kann man das als Fan sicher noch verkraften. Wenn die Fehlentscheidung aber den Ausgleich verhindert oder das Führungstor bedeutet, dann ist das nicht nur bitter, sondern auch wettbewerbsverzehrend. An der Stelle ist es dann auch zu einfach, zu behaupten, dass die Spiele dann eben mit einem (Gegen)-Tor mehr oder weniger ausgegangen wären, dies aber nichts am Weiterkommen der jeweiligen Mannschaft geändert hätte.
Interessant wäre es in jedem Fall gewesen, dass bei den Spielen herauszufinden. Schade, dass wir darum beraubt wurden. Aber ist es wirklich der Anspruch der FIFA, die Schiedsrichter nach fast jedem Spiel mit einer eigenen Homestory in die Boulevard-Presse zu bringen, obwohl sie eigentlich nicht im Fokus stehen sollten? Ist es wirklich gewollt, dass nicht mehr die Leistung der Mannschaft im Vordergrund steht, sondern am Ende die Mannschaft gewinnt, die am wenigstens Pech mit den Schiedsrichtern hatte?
Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen brachte die Situation auf den Punkt: „Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die Fifa zu bieten hat, will ich die schlechtesten nicht sehen.“ Was kann die FIFA also tun, um ihre Glaubwürdigkeit wieder herzustellen? Müssen sie endlich ihre sture Haltung ablegen und technische Hilfsmittel zu lassen? Der Fussball wird immer schneller und die Aufgabe für das menschliche Auge dadurch nicht einfacher. Wäre es da nicht an der Zeit, über den Videobeweis nachzudenken? Man mag kaum hoffen, hat sich das internationale Board des Weltverbandes doch erst Anfang 2010 nochmals vehement dagegen ausgesprochen und stattdessen einen weiteren Schiedsrichter hinter das Tor gestellt. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in neuen Dimensionen - Ein Armutszeugnis für den Weltverband.
Der Aufschrei nach dem Foul an DFB-Kapitän Michael Ballack und dessen Ausfall für die WM in Südafrika ist groß und richtet sich vor allem gegen Kevin-Prince Boateng, der Michael Ballack im FA-Cup-Finale folgenschwer gefoult hatte. In fast allen Netzwerken, Foren und Chatrooms wird gegen Boateng Stimmung gemacht und auch Deutschlands beliebteste Boulevardzeitung hält sich mit ihrer Meinungsbildung nicht zurück. Unbestritten ist sicherlich, das Kevin-Prince Boateng Michael Ballack foult und dieses Foul zum WM-Aus geführt hat.
Genauso unbestritten ist aber auch, dass Ballack gerade am Sprunggelenk verletztungsanfällig ist und Boateng mit seiner Vergangenheit ein perfekter Sündenbock ist. Entschuldigungen wie: "Ich kam zu spät...das war keine Absicht" zählen an dieser Stelle nicht. Kurios ist das vor allem, weil man vor nicht mal einem Monat für ein fast identisches Foul von Franck Ribery an Lisandro Lopez den Freispruch für eben diesen "Treter" forderte. Die selbe Boulevardzeitung, die Kevin-Prince Boateng nun als "Brutalo-Treter" betitelt, versuchte in den letzten Wochen noch medialen Einfluss auf die UEFA zu nehmen, um Ribery doch noch am so wichtige Champions-Leaque-Finale teilnehmen zu lassen.
Die Macht der Medien ist an dieser Stelle beängstigend und fazinierend zugleich;)). Das selbe Foul wird unterschiedlich bewertet, weil im Falle Riberys, die Bänder von Lisandro Lopez gehalten haben, während sie im Falle Ballacks in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen, weil es den National-Elf Kapitän getroffen hat? Weil Boateng mit seiner Vorgeschichte und seinem Einsatz für Ghana gegen Deutschland in der Vorrunde als Sündenbock genau ins BILD passt? Weil sich Lisandro Lopez beim Foul von Ribery nicht verletzt hat und das Foul demnach gar nicht so schlimm gewesen sein kann?