
„Ich weiß noch, was du letzen Sommer getan hast! Und ich habe es sogar auf Video!!" So oder so ähnlich müssen Ridley Scott und Kevin Macdonald auf die Idee gekommen sein, einen Tag im Leben aller zu dokumentieren. So zumindest der Anspruch. Gereicht hat es dann immerhin zu der wohl größten Mitmachaktion der Filmgeschichte. 80.000 Menschen aus 192 Ländern kamen dem Aufruf nach, via YouTube einen Ausschnitt ihres Leben am 24. Juli 2010 hochzuladen. Herauskamen 4.500 Stunden Videomaterial, das MacDonald zu 95 Minuten Dokumentarfilm zusammenfügte.
"Live in a day" zeigt Schicksale und alltägliche Situationen; mal witzig, mal erschütternd oder auch einfach belanglos. Während für viele der Tag wie jeder andere endet, bleibt er anderen für immer in Erinnerung. Ab der 78. Minute wissen wir Deutschen auch warum. Unter den Impressionen befinden sich auch Bilder der Loveparade-Katastrophe in Duisburg. In Folge einer Massenpanik starben hier 21 Menschen, Hunderte wurden verletzt.
Bei der Verbreitung des Films bedient sich YouTube traditioneller Wege. Wie zu Fernsehzeiten werden Interessierte zu festen Zeiten vor ihren internetfähigen Geräten versammelt. Obwohl die User einen wichtigen Beitrag (wenn nicht sogar den wichtigsten) zum Film geliefert haben, ist „Life in a Day“ aber nicht dauerhaft auf YouTube zu sehen. Hat man die Übertragung verpasst, werden weitere Ausstrahlungen erst später im YouTube Channel bekannt gegeben. YouTube bedient sich hier der künstlichen Verknappung, um noch Platz für andere Vertriebskanäle zu lassen. Waren es die YouTube-User bisher gewohnt, sämtliche Inhalte jederzeit kostenlos abrufen zu können, werden sie nun zur Kasse gebetten. Was herauskommt, wenn man die Macht der Massen für seine Ideen nutzt, kann in Deutschland daher seit dem 9. Juni 2011 im Kino und ab September 2011 auf Blu-ray und DVD
bewundert werden.
Zu Kevin MacDonald und Ridley Scott: Kevin Macdonald hat für sein Werk „Ein Tag im September“ bereits 1999 den Oscar gewonnen und war danach für die Spielfilme „The Last King of Scotland
“ und „State of Play
“ verantwortlich. Ridley Scott führte unter anderem bei Gladiator
Regie, produzierte die „Robin Hood
“-Verfilmung mit Russell Crowe und die Spielfilm-Neuauflage der 80iger-Jahre Hitserie „A-Team
“.